Anfrage zum Thema Luftreinhaltung in Hamburg

Auf meiner Pinnwand meines Facebook-Accounts gab es eine interessante Frage zum Thema Luftreinhaltung in Hamburg, die auch hier gerne dokumentieren möchte:

Lieber Herr Albrecht, ich habe im Deutschlandfunk gehört, daß Hamburg die EU-Stickoxidgrenzwerte nicht einhalten kann. Das macht mir beim Joggen einige Sorgen. Da die 5 Jahres Frist überschritten ist, möchte die EU-Kommission Taten sehen. Was kann denn Hamburg tun um die Grenzwerte an den großen Autostraßen zu reduzieren.? Ich bin selber Autofahrer und habe eine HVV-Karte und versuche wenig Auto zu fahren.

Meine Antwort dazu:

Hallo Herr Stephan,

die Luftverschmutzung durch NOx Emissionen ist in der Tat ein Problem, wobei dies ein europaweites Problem ist. Auch Städte mit einer City-Maut oder Umweltzone überschreiten regelmäßig die Grenzwerte bei NOx (z.B. Stuttgart oder London). Als Hauptquellen sind bei uns der Straßen- und Schiffsverkehr zu nennen. Problematisch beim Straßenverkehr ist, dass sich Stickstoffverbindungen nicht mit den üblichen 3-Wege-Kats herausfiltern lassen. Dazu sind spezielle NOx Katalysatoren notwendig. Eine „Nachrüstung“ von Autos mit NOx-Katalysatoren ist technisch sehr schwierig, da sie zum Herausfiltern der NOx-Gase einen Eingriff in Motorsteuerung vornehmen müssen, so jedenfalls hat man mir das erklärt, ich bin kein Ingenieur. Problematisch wird das ganze dadurch, dass im Spritverbrauch besonders sparsame Fahrzeuge aufgrund einer höheren Verbrennungstemperatur auch mehr NOx produzieren. Was gut für den Bereich Feinstaub, CO2 und Schwefelverbindungen ist, ist nicht automatisch gut für den Bereich NOx.


Wir sehen die Einrichtung einer Umweltzone oder City-Maut grundsätzlich aus den oben genannten Gründen skeptisch. Trotzdem wollen wir an der Luftverbesserung arbeiten und tun dies auch bereits. Der Senat hat dazu den bestehenden Luftreinhalteplan fortgeschrieben, in dem über 80 Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Luftgüte beschrieben werden. So kann man bereits jetzt feststellen, dass die Anzahl der gemessenen Überschreitungen auch im NOx Bereich zurückgeht. Die Situation ist zwar noch nicht befriedigend, aber verbessert sich zunehmend.
Einen Überblick über den Luftreinhalteplan können Sie hier bekommen:

http://www.hamburg.de/luftreinhal.../3744840/fortschreibung/
Ein Beispiel, das ich besonders interessant finde: Ab 2020 wird die Hochbahn nur noch emissionsfreie Busse anschaffen, die entweder mit Wasserstoff oder Strom fahren. Bereits jetzt befinden sich solche Busse auf den Strecken in einer Testphase. Ich finde, dies ist ein innovativer und umweltfreundlicher Ansatz.


Aber als Landespolitiker haben wir auch eine klare Forderung an die EU: Es kann nicht angehen, dass zwar auf der einen Seite die Grenzwerte für die Luft durch die EU herabgesetzt werden, auf der anderen Seite sich die Kommission aber weigert, der Autoindustrie schärfere Regeln beim Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeuge zu verordnen. Hier werden die Städte und Kommunen unserer Meinung alleine gelassen bei der Bewältigung der Probleme. Dies kann so nicht sein. 


Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kurzen Überblick über die aktuelle Diskussion geben.

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